Kochen wie ein Waldschrat

Double fou

Gefülltes Kaninchen

Am späten Vormittag kommt die Elfe zu Besuch und will sich nach Erwins Reno-vierungsarbeiten erkundigen, kann ihn aber nicht finden. Die Haustür ist nur angelehnt und auf dem Küchentisch liegt ein Handtuch und ein Wetzstein zum Messer schärfen. Die Elfe schwebt um das Haus zum Schuppen an der Hinterseite. Im Schuppen ist Erwin gerade dabei, einem Kaninchen das Fell abzuziehen. Er schnauft ein wenig und dann ist es geschafft.

»He, du alter Wilddieb, hab ich dich erwischt, bist du wieder unter die Fallensteller gegangen?«

»Nee, Hedwig«, sagt Erwin und blinzelt gegen das Sonnenlicht, das durch die Schuppentür dringt. »Das hat mir Eichenkötter vorhin gebracht. Schau, es könnte zwar ein wenig größer sein, aber als geschenkt habe ich mich natürlich gefreut. Ich werde es nachher noch einlegen und morgen kommt es in die Röhre, möchtest du mit mir essen?«

»Na klar! Wir werden es gemeinsam zubereiten. Was hältst du davon, es zu füllen. Eine gut gewürzte Mischung aus Hackfleisch läßt es nicht so trocken werden und wir haben auch noch mehr auf dem Teller. Ich gehe wieder ins Haus und stelle schon mal einen Zettel mit den Zutaten zusammen.«

1 Hauskaninchen
500 g Gehacktes halb und halb
3 Zwiebeln
2 Möhren
Knoblauch
Wacholderbeeren
Knoblauchsalz, Pfeffer
Thymian und Rosmarin
Zimt
Anis
½ Zitrone
Senf
1 Ei
1 Becher saure Sahne
Olivenöl, Rapsöl
1 Flasche Chardonnay

Als Erwin mit dem Kaninchen aus dem Schuppen kommt, hat die Elfe Hedwig schon den Mörser aus Bambusholz, eine kleine Schüssel und den Bräter auf der Arbeitsplatte neben dem Herd bereitgestellt. Sie schneidet einige Zehen Knoblauch ganz fein, während Erwin im Mörser Wacholderbeeren zerreibt, dann Rosmarin und Thymian hinzugibt, sowie Pfeffer aus der Mühle und Knoblauchsalz. Hedwig schüttet den Knoblauch hinzu und Erwin zerreibt alles noch einmal. In die kleine Schüssel kommt etwas Olivenöl und der ausgepresste Zitronensaft, dann alles aus dem Mörser, ein Teelöffel voll scharfer Senf und zum Schluß gibt die Elfe eine Messerspitze Zimt darüber und verrührt alles.
Derweile hat Erwin den Bräterboden mit Rapsöl ausgegossen. Das Kaninchen kommt hinein und Hedwig gibt mit einem Teelöffel die Kräuter-ölmischung von beiden Seiten auf das Kaninchen und verteilt diese gleichmäßig mit einem Pinsel.

»So, den Deckel drauf und bis morgen in der Speisekammer ziehen lassen. Ich komme zum Frühstück und bringe gleich Gehacktes mit. Da ich vermute, dass du mittlerweile einige Vorräte und Zutaten zum kochen gebunkert hast, kannst du heute Abend noch einen Rotkohl ansetzen.« Die Elfe dreht noch einen frechen Looping durch die Küche und entschwebt durch den sonnigen Tann.

Als sie am nächsten Morgen zu Erwin kommt, empfängt sie schon der Duft von frischem Kaffee. Erwin hat sein Waldschratfrühstück zubereitet. Nachdem sich später die Elfe etwas Eigelb aus dem Mundwinkel gewischt und die letzten Walnusskrümel im Mund mit Kaffee hinunter gespült hat, wird die Füllung für das Kaninchen zubereitet.
Eine fein geschnittene Zwiebel und Knoblauch, ein Ei, Thymian, Salz und Pfeffer und eine kleine Idee Anispulver werden mit dem Fleisch vermengt. Die Füllung kommt in das Kaninchen und es wird mit Rouladennadeln verschlossen. Ein wenig Füllung ist noch übrig und die Elfe formt daraus kleine Klöße, die sie erst einmal auf einem Teller beiseite stellt. Der Ofen wird auf 180° C vorgeheizt und derweile schnippeln die beiden noch zwei Zwiebeln in grobe Stücke, halbieren fünf Knoblauchzehen und schneiden zwei Möhren in Scheiben.
Der Bräter kommt ohne Deckel in die Röhre und als das Öl darin bruzzelt, löscht Hedwig mit Chardonnay ab und senkt die Temperatur auf 140 ° C. Nach einer guten Stunde kommen die Möhren, Zwiebeln und der Knoblauch in den Bräter. Nach zwei Stunden ist das Kaninchen gar und Erwin heizt den Ofen noch einmal auf 180° C, damit der Braten richtig Farbe bekommt. Während Erwin das Kaninchen zerteilt schöpft Hedwig mit der Kelle Bratensud in einen Topf und verrührt diesen mit der sauren Sahne zu einer leckeren Sauce.

»Ach Erwin, schau, wie gut es uns geht hier im Tann«, sagt die Elfe und zeigt zum Küchentisch. Auf diesem steht die Platte mit dem Kaninchenbraten, Keulen, Vorderläufe und zwei Rollen gefüllte Mittel-teile von Rücken und Bauchlappen, ringsherum hat Erwin die Möhrenscheiben und Zwiebelstückchen drappiert. Der Rotkohl duftet nach Nelken und die Kartoffelschüssel dampft. Golden brechen sich die Sonnenstrahlen in den Weingläsern, Hedwig stellt noch die Saucenschüssel ab und beide prosten sich zu.
»Du musst dir ein Rezepteheft anlegen, Erwin, sonst vergisst du wieder, welche Feinheiten wir hier fabriziert haben«, sagt die Elfe später und entschwebt satt und träge.
Erwin sitzt noch bis zum dunkelwerden am Küchentisch vor einem blauen Notizheft und kaut am Bleistift.

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